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Kurze Vorrede
Sehr geehrte Zuschauer !
Helmut Qualtinger ist am 29.9.1986 gestorben. Er liegt, begleitet vom
skurilen Brimborium eines offiziellen Begräbnisses und zugedeckt von
gezählten 163 Nachrufen in einem Ehrengrab der Gemeinde Wien. In der
ersten Zeit nach seinem Tode hatte ich ständig das Gefühl, das ganze sei
eine von ihm inszenierte Real-Satire gewesen. Und ich hoffte und
wünschte mir, ich würde ihn alsbald-diabolisch grinsend- in einem Wiener
Lokal wieder sehen. Inzwischen habe ich diese Hoffnung aufgegeben.
Helmut Qualtinger wurde von jener österreichischen Liebe umarmt, welche
Zuneigung vorgibt und Erstickung will. Eine ganze Nation verlieh ihm
ungefragt die kumpelhafte Bezeichnung “Quasi“, weil sie nicht hören
wollte, was er sagte, sondern nur“wie“ er es sagte.Sie liebte seine
Erscheinung, umarmte sie, um dem erschreckenden Inhalt seiner Sätze zu
entkommen.
Wenn ich mit ihm herumzog und ihn diese ungebetene Liebe buchstäblich
umfing, und er nicht aufhörte, zu saufen und sich selbst zu zerstören,
hatte ich das Gefühl, er wollte das Objekt dieser Umarmung,seine
Erscheinung, seinen Körper vernichten, um ihr endlich zu entgehen.
Helmut Qualtinger ist seit beinahe 20 Jahren tot.
Wenn wir den Schriftsteller Qualtinger wirklich leben lassen wollen,
dann müssen wir endlich auf-und annehmen, wovon dieser Schriftsteller
eigentlich redet: Vom ganzen Ausmaß der menschlichen Schweinerei, die
unter uns lebt und in uns lebt.
Ich wünsche Ihnen einen interessanten Abend mit einem großen
österreichischen Schriftsteller.
Peter Turrini
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